Philipp Weber

am 18.04.2026 in der Baulandhalle

Bildung als Brandmauer einer wehrhaften Demokratie – Ein Weckruf gegen Demokratiemüdigkeit Philipp Weber bearbeitet bei der Kulturkommode politische Themen mit viel Engagement und Humor Um ausnahmsweise einmal das Ende des furiosen Programms „Power to the Popel“ von Philipp Weber vorwegzunehmen: Der letzte und größte Applaus sollte gemäß dem Wunsch des Künstlers den Verantwortlichen der Kulturkommode gelten, denn Kleinkunstvereine wie diese sorgten dafür, dass politische Bildung gepaart mit Unterhaltung vor Ort und live geboten werden kann. Das war zum einen natürlich ein dankbar angenommenes Lob für die seit mittlerweile fast 30 Jahren kulturell ehrenamtlich Tätigen, zeigte andererseits aber auch, wie wichtig es dem aus Amorbach gebürtigen Kabarettisten ist, solche Kleinkunstbühnen für seine Anliegen nutzen zu können. Und so viel sei ebenso schon einmal gesagt: Weber sorgte auch diesmal wieder dafür, dass man seine Vorstellung mit Erkenntnisgewinn verlässt. Stand bei seinem ersten Gastspiel in der Römerstadt mit „Durst – Warten auf Merlot“ noch die humorige Auseinandersetzung mit der Lebensmittelindustrie und der Trinkkultur im Vordergrund, so war dem „Universalgelehrten“ (kaum ein Studienfach, in das er nicht zumindest hineingeschnuppert hätte) anzumerken, dass dieses Programm mit dem Untertitel „Demokratie für Quereinsteiger“ ihm besonders am Herzen liegt.

Für Politikverdrossenheit könne man noch Verständnis haben, so der Kabarettist, der seit über 25 Jahren auf deutschen Bühnen unterwegs ist. Er verstehe, wenn die Bürger enttäuscht seien, wenn Versprechungen nicht eingelöst würden oder man den Eindruck bekomme, die Regierungen reden mehr Probleme herbei als sie selbst lösen könnten. Als viel problematischer sehe er die Demokratiemüdigkeit an, die sich auch in Deutschland breitmache. Immerhin ein Drittel der Deutschen seien der Meinung, dass die Demokratie nicht die Lösung für die aktuellen Probleme sei. Diese Menschen wünschten sich einfache Antworten auf sehr komplexe politische Fragen. Extremisten bedienen diese Wünsche, indem sie mit ihren Parolen die Volksseele zum Kochen bringen. Diese Vorgehensweise sieht er nicht nur bei all den Autokraten auf der Welt, die man häufig an ihren schlechten Frisuren erkennen könne („Nationalismus ist nicht nur gefährlich, es sieht auch scheiße aus.“), auch im eigenen Land, macht er eindeutig Parteien wie die AfD als gefährliche Demokratie-Zündler aus. Diese Partei zu wählen sei kein harmloser sondern eben ein rechtsextremistischer Protest.

Man spürt, dass Philipp Weber diese Thematik sehr ernst nimmt, denn er ist mit viel Engagement bei der Sache und redet sich nicht selten regelrecht in Rage. Verpackt werden Webers Statements häufig in die Diskussionen mit seinem Nachbarn Herbert und dessen steten Zweifeln an der Freiheit in unserer Gesellschaft und dem missionarisch auftretenden „braunen Hans, der schon alle rechtsextremen Parteien durch hat“. Mit diesen Mitteln sorgt Weber dafür, dass der Abend trotz der ernsten Themen doch unterhaltsam bleibt. „Wenn mir nichts Lustiges dazu einfällt, erzähle ich nichts drüber – ich bin schließlich Komiker und kein Prediger!“

Da in der Demokratie alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht, solle allerdings angemerkt werden, dass es unterschiedliche Vorstellung davon gibt, wer oder was „das Volk“ ist und dessen Definition zumindest in Deutschland historisch gesehen schwierig sei. Der Odenwald sei immerhin jahrhundertelang der Straßenstrich der Völkerwanderung gewesen, und da noch viel früher der Homo sapiens an Bayerns Grenze zurückgewiesen wurde, sei es dort unglücklicher Weise beim Neandertaler geblieben. Die wichtige Frage „Wer bin ich?“ könnten sich Extremisten erst gar nicht stellen, weil sie nicht fähig seien, sich als erkenntnisreiche Individuen zu sehen. Deshalb versteckten sie sich in Gruppen, in denen die Vernunft des Individuums verschwindet. Das sei so ähnlich wie in Ameisenvölkern, die Weber auch für anderes gerne als Beispiel heranzog.

„Power to the Popel“ ist eine gelungene Fusion aus Witz, Philosophie und Politik – nicht zuletzt sieht Philipp Weber eine umfassende Bildung als die Brandmauer einer wehrhaften Demokratie an. Und wenn das auch noch mit Humor präsentiert wird, dann kommt das Kabarett zweifellos seinem Bildungsauftrag im besten Sinne nach. Nach dieser Vorstellung in Osterburken konnten sicher alle zustimmen, die sich noch einen Rest von Hoffnung auf die Einsichtsfähigkeit der Menschen bewahrt haben.

Text: Martin Hammer
Fotos: Michael Pohl