Programm Eintrittskarten Auftrittsorte Rückblick Wir über uns Links
Startseite Rückblick Unsere Künstlergalerie

Rückblick


Unsere Künstlergalerie Besiedlungszug 2006 Vor der Vereinsgründung

Kleinkunst-News Mobile Kontakt Download Suchen Impressum

Schwarze Grütze

am 23.09.2006 in der Alten Schule

Das Duo Schwarze Grütze

"Niveauwonieniveauwar" bot das Musikkabarett-Duo "Schwarze Grütze" einen äußerst vergnüglichen Abend lang dem Publikum bei der Kulturkommode Osterburken e.V. im voll besetzten Saal der Alten Schule. Schon der Titel ihres aktuellen Programms zeigte an, was die Zuhörer zu erwarten hatten: Komödiantische Wortspielereien, groteske Geschichten mit und ohne Musik – zweieinhalb Stunden, die, trotz so manchen Griffs in die Kalauer- und Makabritätenkiste, für anspruchsvolle Unterhaltung sorgten.

Vor über zehn Jahren lernten sich der ambitionierte Liedermacher Dirk Pursche und Stefan Klucke, damals Gitarrist einer Punk-Band, kennen und machten in verschiedenen Ensembles gemeinsam Musik, ehe aus dieser "Probephase" das Duo "Schwarze Grütze" entstand, das sich fortan anschickte, die Kabarettszene auf Deutschlands Kleinkunstbühnen so richtig aufzumischen. Mit ihrer Kombination aus anarchistisch-bösartigem Humor mit satirischen Elementen und musikalischer Untermalung zwischen bissigen Deutschrock-Persiflagen, Chansons und Moritaten haben sich die beiden Potsdamer eine eigene Nische kreiert und heben sich damit wohltuend von der üblich dünnen Comedy-Soße ab.

Stefan Klucke und Dirk Pursche

So unterschiedlich die Zielscheiben in ihren Nummern sind, so verschiedenartig gestaltet "Schwarze Grütze" deren musikalische Begleitung. Ein harmlos scheinender Song, balladesk mit Gitarre und Bass begleitet, bildet die Grundlage für eine bitterböse Satire über die sensationslüsterne Öffentlichkeit, die den Suizid eines Mannes zu gerne live und hautnah erleben möchte. Bei anderen Stücken sitzt Stefan Klucke am Flügel und gibt, ganz im Stile eines Georg Kreisler, bitterböse Chansons zum Besten, in denen er beispielsweise darüber sinniert, wieso er als frischgebackener Vater sein Kind nicht Adolf nennen sollte. Überhaupt erklären die beiden Kabarettisten den großen Georg Kreisler als einen ihrer Vorbilder, was man ihren Texten durchaus anmerkt, denn oft genug bleibt einem bei den schwarzhumorigen Pointen beinahe das Lachen im Halse stecken. Allerdings wirklich nur beinahe, denn die gut beobachteten Geschichten aus der Feder von Dirk Pursche und Stefan Klucke sind so gnadenlos überhöht, dass sie doch zumeist über der Gürtellinie bleiben.

Schwarze Grütze geben Gas


Neben diesen durchaus nicht unpolitischen Nummern bietet das Potsdamer Duo allerdings auch genügend schräge Songs, intelligenten Trash und Nonsens: "Einer geht noch" ist ein urkomisches Medley aus total verfremdeten Stimmungshits, eine Parodie auf einen Nachruf im Stile einer Büttenrede gibt es in "Karlsruhe", und selbst das Anspielen von vermeintlich ausgemusterten Liedern bietet noch genügend Lachpotential.

Eine Besonderheit der "Schwarzen Grütze" sind die überaus originellen Wortspiele (welch groteske Sinn-Verdrehungen ergeben sich beispielsweise, wenn ein Chinese konsequent in allen deutschen Wörtern das R durch ein L ersetzt?). Immer wieder sorgen die "Jungen Wilden im Kabarett" in ihren Stücken für so überraschenden Wortwitz, dass es eigentlich unmöglich ist, ihre Lieder nachzuerzählen. Imponierend ist diese anarchische Sprachverliebtheit des homogenen Duos, das stilsicher mit Klischees und Erwartungshaltungen des Publikums jongliert und diese im Verlauf eines Konzerts oft genug ad absurdum führt.


Musik-Kabarett mit Niveau


"Wir sind keine Band für eine Nacht" stellten Dirk Pursche und Stefan Klucke sich am Anfang musikalisch vor, und das Publikum war sich am Ende dieses begeisternden Abends einig, dass dies wirklich so sein soll, denn spätestens beim nächsten Programm wollen wir die "Schwarze Grütze" wieder in Osterburken erleben!

Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl