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Georg Schramm

am 27.09.2002 in der Alten Schule

"Bei mir wird es heute fünf Themen geben: Krankheit, Krieg, Tod, Arbeitslose und Alte" – Georg Schramm nahm wahrlich kein Blatt vor den Mund. Der Kabarettist, ausgezeichnet mit dem Deutschen Kleinkunstpreis und Stammgast bei Dieter Hildebrandts "Scheibenwischer", ließ am Freitag im ausverkauften Veranstaltungssaal der Alten Schule kein gutes Haar an der Bundeswehr, nahm Ärzte und Krankenkassen auf die Schippe, mimte den bösen antisozialdemokratischen Personalchef, berichtete über den Alltag im Altenheim und sprach dann abschließend das "Wort zum Sonntag".

Vorletzte Woche noch in München, am Donnerstagabend in Berlin beim "Scheibenwischer" in der ARD, am Freitag schon in Osterburken: "Ans Eingemachte" hieß sein Best-of-Programm aus zehn Jahren Kabarett. Die Kulturkommode hatte eingeladen, und, wie Georg Schramm am Ende betonte, "so lange angerufen, bis mein Management eben zugesagt hat". Was nicht heißen soll, dass er etwa gelangweilt auf der Bühne stand. Der Diplom-Psychologe Georg Schramm strotzte nur so vor Selbstironie, nahm die Zuschauer und sich selbst ins Visier: "Glauben Sie ich wäre nach Osterburken gekommen, wenn ich auf dem Höhepunkt meines Schaffens wäre?"

In den Einführungen zu seinem Programm stellte Georg Schramm seine Rollen vor: Man denke wohl, es gehe hier wirklich "ans Eingemachte". Eigentlich, so sagte er, hätten die Zuschauer sich verschätzt, denn er habe damit nur Dinge aus dem Keller geholt, die vor sieben Jahren einmal lustig gewesen seien. Die Zuschauer wussten, dass dem natürlich nicht so war, und sie wurden auch sogleich in ihrer Meinung bestätigt: Treffende Pointen, perfekt gespielte Charaktere, tolle Mimik und Gestik, ein Satiriker, der sich voll und ganz mit seinen Rollen identifiziert. Dieser Künstler ist keineswegs über den Zenit seines Schaffens hinweg.

120 Zuschauer saßen im Veranstaltungssaal, als Schramm, selbst Ex-Bundeswehr-Reserveoffizier, mit seiner ersten Rolle brillierte: Als Oberstleutnant Sanftleben der Bundeswehr stellte er die neuesten Trends und Aufgaben der Truppe vor und lud die Zivilbevölkerung zu einem Abenteuerurlaub in die aktuellen Kriegsgebiete ein. Sommercamp in Afghanistan, Führungen an der Waffenstillstandslinie und Spendenaufrufe für die sanierungsreife Wehr standen zur Auswahl.

Schramm trat anschließend als alter Hesse auf, der seiner Frau, die im Krankenhaus liegt, zum ersten Mal eine Postkarte schreibt und nicht damit zurecht kommt. Schweift dann ab und vergisst auf einmal den Grund der Karte, seine Frau nämlich. Beschwert sich darüber, wie verdreckt die Küche ohne die Frau doch sei, müsse sich jetzt sein Bier selbst holen, mit seinem Sohn spricht er nicht, habe aber ansonsten ein gutes Verhältnis zu ihm – die Zuschauer konnten gut nachvollziehen, was Georg Schramm auf der Bühne vorführte.

Ob als unbarmherziger Personalchef, der mit seinem fiktiven Einstellungskandidaten spricht und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, oder in seiner Paraderolle des Kassenwartes bei den "Grauen Panthern", Lothar Dombrowski, Georg Schramm ist immer politisch, verpackt die Missstände in der Gesellschaft häppchenweise in Lachanfälle, nahm auch den einen oder anderen Zuschauer ins Visier. Dabei tritt die Tragik, die seinen Figuren zu eigen ist, genauso zu Tage wie das komische Element: Dombrowski ist Sprecher einer Schlaganfallselbsthilfegruppe mit dem Namen "Schlag zurück". Seine Oberschwester im Altenheim will wissen, wie es ihm denn dort gefalle. Er antwortet: "So viel Zeit habe ich gar nicht mehr, damit ich das aufzählen kann, was mir nicht gefällt". Teilnahme an Dichterlesungen, um an Kaffee und Kuchen zu kommen. Nur drei Beispiele für den Wortwitz des Rentners. Mit dem "Wort zum Sonntag" beschloss er seine gelungene Darbietung.

Die Veranstaltung war ein Teil des Kulturprogramms beim Landesjubiläum "50 Jahre Baden-Württemberg". Am Ende durfte Georg Schramm neben den bereits gewonnenen Preisen wie dem "Gaul von Hannover" und dem "Salzburger Stier", wie Michael Pohl von der Kulturkommode verkündete, auch den "Osterburkener Kulturwurm" entgegennehmen.

Text: Julien Christof