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Urban Priol

am 22.11.2003 in der Aula des GTO

Es hatte sich offenbar schnell herumgesprochen, dass es der Kulturkommode und der SMV des GTO wieder gelungen war, mit Urban Priol einen der ganz Großen der deutschen Kabarettszene zu einem Gastspiel nach Osterburken zu holen, denn die über 300 Plätze in der Aula des Ganztagesgymnasiums waren schon Wochen vorher ausverkauft.

Was für ein Glück, dass Priol den Weg ins Bauland überhaupt gefunden hatte, nachdem sein Navigationssystem ihn gewarnt hatte, "hier das digitalisierte Gebiet zu verlassen", so der Aschaffenburger augenzwinkernd zu Beginn.

Vom ersten Moment an vermochte es der vielfach preisgekrönte Künstler dank seiner enormen Bühnenpräsenz, die Zuschauer mit seinem fünften Soloprogramm "Täglich frisch" in den Bann zu schlagen. Dabei erlebt man, dem Titel entsprechend, einen Kabarettisten, der so aktuell ist wie kaum ein anderer.

Er philosophiert über LKW-Maut und Dosenpfand, kommt über SPD-Parteitag zu Generationenkonflikt und Kopftuchstreit und schafft dabei doch Übergänge, die die Gedankensprünge ganz folgerichtig erscheinen lassen. Nichts und niemand ist vor ihm sicher.

Binnen Bruchteilen von Sekunden gelingt es dem Aschaffenburger in die Rolle derer zu schlüpfen, die er persifliert. Die Begabung, Mimik und Dialekt seiner "Zielscheiben" nachzuahmen (seien es Politiker oder der mainfränkische Stammtischgrantler), machen die Zuschauer genauso atemlos wie seine Fähigkeit, die treffenden Pointen in unglaublichem Tempo aufeinander folgen zu lassen.

Als roter Faden zogen sich die Unwägbarkeiten beim Bau und Betrieb seines Kleinkunsttheaters durch den Abend, die sich durch die staatliche Reglementierungswut zu beinahe unüberwindlichen Hindernissen entwickeln. Immer wieder schweift er ab, wechselt die Themen, verzettelt sich scheinbar und entspinnt auf diese Art und Weise ein Labyrinth deutscher Befindlichkeiten, in dem sich mancher Zuhörer wohl nur zu gut wieder finden konnte.

Die Unterhaltungsindustrie bekam dabei genauso ihr Fett weg wie der andauernde Geschlechterkampf oder die "Verenglischung" der deutschen Sprache ("Muss ich mich als Kabarettist künftig "Junior Joke Assistant" nennen?").

Auf höchstem und unterhaltsamsten Niveau bot Urban Priol zugleich politisches Kabarett und Gesellschaftssatire, die letztendlich in einem Weltuntergangsszenario gipfelte, aus dem es kein Entrinnen gibt, weil die Beschilderung des einzigen Notausgangs nicht der DIN-Norm entspricht.

Nach zweieinhalb Stunden und einer Zugabe (von der er hoffte, sie nicht als "kostenlose Bespaßung" beim Finanzamt nachversteuern zu müssen) verabschiedete sich Priol vom ausnahmslos begeisterten Osterburkener Publikum, das an diesem Abend Appetit darauf bekommen hatte, künftig mehr "Täglich Frisches" von diesem Meister des Kabarettfachs serviert zu bekommen. Nachschlag also nicht ausgeschlossen!

Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl