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Rolf Miller

am 22.10.2005 in der Aula des GTO

Rolf Miller


Es war nicht etwa die Ankündigung in der Presse vor einigen Tagen, dass Rolf Miller im März der Deutschen Kleinkunstpreis 2006 verliehen wird, die dafür sorgte, dass die Veranstaltung der Kulturkommode Osterburken und der SMV des Ganztagesgymnasiums schon kurz nach Vorverkaufsbeginn total ausverkauft war. Vielmehr war es die Tatsache, dass sich der aus Walldürn gebürtige Kabarettist seit Jahren einen hervorragenden Ruf in der bundesweiten Comedy-Szene und einen großen Fankreis erarbeitet hat.

Eigentlich ein Wunder, denn es ist eben jener kleingeistige Typus, wie ihn Miller verkörpert, über dessen Anwesenheit man sich normalerweise eher ärgert. Im Odenwälder Dialekt wirft er in seinem aktuellen Programm "Kein Grund zur Veranlassung" mit Stammtisch-Wahrheiten um sich, sucht nach Begriffen, artikuliert in halben Sätzen und erzeugt so eine unfreiwillige Komik, der sich letztlich kein Zuhörer entziehen kann. Im Durcheinanderwürfeln standardisierter Sätze entzerrt er sie bis zur Kenntlichkeit, aber genau da, wo die Worte fehlen, lauert die Pointe.


Ausverkaufte Aula des Ganztagesgymnasiums


Er kommt gerne in seine alte Heimat, so Rolf Miller, "es is’ jo alles Gegend". Und das ist gut so, denn so haben wir teil an den Eigenheiten all der vermeintlich skurrilen Figuren, die in seiner kleinen Welt immer wieder für Gesprächsstoff sorgen. Da ist zum Beispiel "em Schwocher seine", die wohl all das darstellt, was Millers biederen und mitunter durchaus chauvinistischen Horizont übersteigt. "Für jeden Spruch hot die en Ufkleber", sagt er über die "Ökotante" mit den "mundgetöpferten und handgeblosene Klamotte", um sich daraufhin über "alleinerzogene Mütter" und antiautoritäre Erziehung ("Mama, müsse mer heut wieder mache, was mer wolle?") auszulassen.

So lernt man dann auch seinen Kumpel Achim, den früheren Schiffschaukelbremser, kennen, "die Ding" oder "de Künschtler"- nicht zu vergessen: "de Jürgen". Mit Vergnügen plaudert Rolf Miller über deren Privatleben und räkelt sich dabei selbstgefällig auf seinem Stuhl, denn eigentlich ist er ja so tolerant, dass er sogar die Eier aus dem Esoterikladen nebenan aus "freilaufender Bodenhaltung" isst. "Bei mir darf jeder mache, was ich will", und eigentlich wird ihm ja doch immer nur "es Wort im Hals rumgedreht".
Über alles macht er sich so seine Gedanken, und ehe sich der Zuhörer versieht, steckt er tief in hanebüchener Sozialkritik à la Miller: "Was is´n heut, wenn emol was is?"


Unfreiwillig entschlüpfte der Kabarettist in Osterburken dann kurzzeitig seiner Rolle, als er sich über eine seiner Pointen selbst königlich amüsierte. "Wenn ma sich emol selber wieder zuhört, merkt ma, wie witzig des eigentlich is!" Den eigenen Lachanfall und den darauffolgenden kurzen Texthänger kommentierte er mit Bezug auf den Gewinn des Deutschen Kleinkunstpreises schlagfertig: "Kaum kriegsch de Nobelpreis, weesch nimmer, wie dei Programm geht."

Ansonsten aber hatte ausschließlich das Publikum jede Menge zu lachen, dankte dies dem Künstler mit tosendem Beifall und bekam von ihm dann noch dieses mit auf den Weg: "Wenn Sie jemand fragt, was der de ganze Abend erzählt, wird Ihne net viel einfalle." Dem jedoch kann demnächst abgeholfen werden. Im November nämlich erscheint die CD zu Rolf Millers aktuellem Programm - und das ist für seine Fans dann wohl auf jeden Fall ein Grund zur Veranlassung.

Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl