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Anne Haigis

am 11.03.2006 in der Aula des GTO

Anne Haigis

Ihr mittlerweile neuntes Jahresprogramm eröffnete die Kulturkommode Osterburken in Zusammenarbeit mit der SMV des GTO mit einem begeisternden Konzert der Sängerin und Gitarristin Anne Haigis, die seit über zwei Jahrzehnten auf Deutschlands Musikbühnen präsent ist. Schon die Tatsache, dass die gebürtige Schwäbin als "Rockröhre im Akustikduo" gemeinsam mit ihrem Gitarristen Jens Filser angekündigt wurde, ließ auf einen musikalisch spannenden Abend hoffen. Trotz der unvorteilhaften Wetterprognosen hatten es sich deshalb erfreulich viele Fans nicht nehmen lassen, in die Aula des Ganztages-
gymnasiums zu kommen. Der Weg sollte sich am Ende für alle Besucher gelohnt haben!


Anfang der 80er Jahre wurde Anne Haigis mit deutschen und englischsprachigen Rocksongs und Balladen bekannt, ihre musikalischen Wurzeln allerdings liegen in Folk und Blues, zu denen sie inzwischen wieder zurückgekehrt ist. Zwei Eigenschaften jedoch sind seit Beginn ihrer Karriere unverändert geblieben: ihre absolute Bühnenpräsenz, die sie mit selbstbewusster Energie ausstrahlt, und die markant-raue und dennoch unglaublich wandelbare Stimme. Auch heute besteht das Repertoire von Anne Haigis aus einer Mischung von Liedern mit deutschen und englischen Texten, balladesken Nummern und folkigen Mid-Tempo-Songs – die große Begleitband ist aber inzwischen einer ruhigeren Akustikbesetzung gewichen, die sie seit über einem Jahr auf ein Duo reduziert hat, was ihre musikalische Persönlichkeit noch stärker in den Vordergrund treten lässt.


Dennoch ist der männliche Teil des Duos, der Gitarrist Jens Filser, weit mehr als nur ein Begleitinstrumentalist. Es ist einfach faszinierend, dem studierten Jazzgitarristen dabei zuzuhören, wie er mit seinem versierten Fingerspiel, sei es als Untermalung oder bei seinen zahlreichen mitreißenden Soli, jedem Song seine eigene Note verleiht und ihm ganz neue Seiten entlockt. Auch mit seinem warmen Gesang ist Jens Filser die ideale Ergänzung zur eher rauen Stimme von Anne Haigis. Man spürte, dass die beiden schon seit fünf Jahren gemeinsam Musik machen, denn sie präsentierten sich auch an diesem Abend als perfekt eingespieltes Duo. Egal ob beim wunderbar melancholischen Chanson "The child in your eyes" oder eher rockig anmutenden Titeln wie "Kind der Sterne", einer von Haigis' größten Hits – das Duo Haigis/Filser spielte sich buchstäblich die Seele aus dem Leib und vermochte es, ihre Emotionen auch auf die Zuhörer zu übertragen.


Anne Haigis & Jens Filser


Zusammen interpretieren sie die eigenen Songs, die plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen als noch in der seit Jahren bewährten Version mit kompletter Band. Die beiden spielen aber auch bekannte Covers wie Joan Osbornes "One of us" oder "My opening farewell" von Jackson Browne nicht einfach nur so nach; sie hauchen ihnen überraschend neues, unerwartetes Leben ein.
Dabei kann Anne Haigis aber auch glänzend unterhalten. Sie kann in ihren Ansagen wunderbar albern sein, hat aber kaum einen Titel, in dem nicht ein Hauch von Melancholie mitschwingt. Die angenehme, behagliche Atmosphäre, die die Sängerin bei ihren persönlichen, beinahe intimen Konzerten vermittelt, ist deshalb für sie selbst oberste Prämisse. Kein Wunder also, dass das Publikum sich nur allzu gern von dieser Stimmung mitreißen ließ und darum Anne Haigis und Jens Filser erst nach zwei ausgedehnten Zugaben von der Bühne gehen durften. Eines wurde bei ihrem Auftritt in Osterburken jedenfalls deutlich: Wer Anne Haigis bisher nur vom "Hörensagen" kannte, weiß seit diesem Abend, welch eindrucksvolle Musik man mit diesem Namen verbinden sollte.



Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl