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Les Frites Foutues

am 19.11.2005 in der Aula des GTO


Nicht oft hat man die Gelegenheit, eine „Derniere“, die letzte Aufführung eines Bühnenstücks, selbst miterleben zu können. Anders bei der Kulturkommode Osterburken und der SMV des Ganztagesgymnasiums. Die nämlich hatten mit Les Frites Foutues ein Ensemble zu Gast in der Aula des GTO, das ihr Stück „Mordsorchester“ nach jahrelangen Erfolgen an diesem Abend tatsächlich zum allerletzten Mal präsentierte. Im Gegensatz zu dem arg in die Jahre gekommenen „Movie Star Orchester“, das die Akteure auf der Bühne verkörpern, sprühten Les Frites Foutues in Osterburken mit jeder Menge Spielfreude und originellen Einfällen, die zum Schluss in einem „tödlichen“ Showdown enden.

Dabei fängt in dieser musikalischen Kriminalkomödie alles so harmlos an:
Man kennt diese Orchester, die ihr musikalisch wenig ansprechendes Programm mit einigen mehr oder minder geistreichen Gags aufheitern wollen. Genau dieser trügerische Eindruck wurde erweckt, als zu Beginn die Schlagzeugerin Mechthild Huber (dargestellt von Susanne Grampp) vorgeschickt wird, um recht unbeholfen die Noten auf die Pulte zu verteilen. Doch mit diesen scheinbar harmlosen Blödeleien wurden bereits die ersten Fäden gezogen, aus denen die Handlungsstränge einer Kriminalgeschichte gewoben werden sollten.


Allerdings wäre der tragische Ausgang dieses Stücks von vornherein klar gewesen, hätte man den Augen mehr getraut als der Komik, mit der die Spieler ihr Tun verharmlosten. Denn das Verhältnis zwischen den Musikern war gekennzeichnet durch gegenseitiges Misstrauen und durch die Angst vor dem Bandleader Gilbert de Javu (Alexey Boris), dessen Autorität ausschließlich aus seinem übersteigerten Selbstbewusstsein bestand, das ihn von den demotivierten und eingeschüchterten Musikern (Eva Glasmacher an Saxophon und Klarinette, Raimund Enkler als trinkfester Tuba- und Akkordeonspieler) abhob. Diese konnten den Frust in ihrem Job nur noch dadurch kompensieren, dass sie gegeneinander intrigierten - bis letztlich die Gemeinheiten völlig außer Kontrolle gerieten und dem versehentlichen Totschlag am Saxophonisten (Martin Glasmacher) vor der Pause die vorsätzlichen Morde mit steigender Frequenz folgten.


In diese äußerst unterhaltsame Rahmenhandlung werden bekannte Melodien aus der Filmgeschichte eingebettet, die Les Frites Foutues mit einfachen Mitteln jedoch sehr effektvoll in Szene setzen. Dabei wird es dem Zuschauer wahrlich nicht leicht gemacht: Weil alle Darsteller ständig sehenswerte Kabinettstückchen zum Besten geben, weiß man gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll. Es bleibt nicht aus, dass Nachbarn im Publikum gleichzeitig über völlig unterschiedliche Beobachtungen in Gelächter ausbrechen.
Vor Überraschungen ist man beim „Mordsorchester“ eben nie gefeit - von der zwischenzeitlichen Enthüllung, dass der schmierige Bandleader seine Trompete gar nicht selbst spielt, sondern von Marion Kutscher hinter dem Bühnenvorhang vortrefflich „synchronisiert“ wird, und dem abschließenden Filmquiz unter reger Mitwirkung der Konzertbesucher ganz zu schweigen.

Les Frites Foutues bewiesen in Osterburken, dass sie sowohl ihre Instrumente als auch die hohe Kunst der komödiantischen Schauspielerei beherrschen und es vermögen, mit ausgefallener Unterhaltung ihr Publikum bis zum Ende zu fesseln. Man darf auf künftige Projekte gespannt sein!


Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl