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Fast Schwarz

am 16.06.2007 in der Alten Schule

Konnte es gelingen, die bissigen Couplets von Otto Reutter aus den zwanziger Jahren mit den frech-respektlosen Liedern eines bis in unsere Zeit grantelnden Georg Kreisler zu einer stimmigen Einheit zu verbinden? Offenbar wollten erfreulich viele Kulturfreunde eine Antwort auf diese Frage erhalten, denn die Sitzplätze in der Alten Schule waren gut gefüllt, nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit, wenn schönes Wetter und mannigfaltige Programmauswahl landauf landab die Entscheidung über die richtige Abendgestaltung erschweren. Und ja, um es gleich vorweg zu nehmen, es gelang Reinhard Michael Siegl und Gunter Wacker als Duo "Fast Schwarz" an diesem Abend gekonnt diese Brücke zu schlagen. Dies streckenweise so elegant verwebend, dass das Publikum nur erahnen konnte, aus welcher der beiden Komponistenfedern die jeweiligen Lieder entstammten.


Neh’m sie n’Alten

Da schwarzer Humor ja bekanntlich nicht von vorneherein jedermanns Sache ist, galt es für "Fast Schwarz" zunächst behutsam in die Thematik einzuführen und den passenden Nährboden für das Allerlei an schaurig-schönem Liedgut zu schaffen. Gunter Wacker übernahm dabei am Klavier die Rolle des zurückhaltend-konservativen aber gleichzeitig dennoch bestimmt aufspielenden Begleitmusikers, dem es von Stück zu Stück jedoch immer weniger gelingen sollte, die verbalen Attacken, Anzüglichkeiten und Überredungskünste des Reinhard Michael Siegl abzuwehren, der den unfreiwilligen Ersatzmann im Duo zu spielen hatte. Und so arbeitete man sich gemeinsam oder auch wieder nicht durch das Repertoire, von "Neh’m sie n’Alten" zum "Mädchen mit den drei blauen Augen" bis hin zum "Blusenkauf". Allesamt meist heitere Stücke, welche die merkwürdigen Beziehungen der Menschen untereinander beschreiben, veraltete Moralauffassung aufzeigen und die ein oder andere bizarre Lebenshaltung humoristisch glossieren, aber zugleich auch ein klein wenig nachdenklich stimmen sollen.


Gunter Wacker und Reinhard Michael Siegl


Nach der Pause vertiefte zunächst Dr. Karl-H. Kraft das Wissen des Publikums in Sachen Kreisler und Reutter. Ein kurzer biographischer Abriss half den Zuhörern die Stücke der beiden Komponisten noch besser in den richtigen zeitlichen Kontext einzuordnen. Nachdem sich in der Rahmenhandlung die beiden Beinahe-Kontrahenten Siegl und Wacker auf der Bühne aufeinander eingeschossen hatten, wurde nun auch die eine oder andere schärfere Textsalve in Richtung Publikum abgefeuert, man war ja schließlich jetzt vorbereitet. Insbesondere die aus der Feder Georg Kreislers stammenden Lieder wie z.B. "Was für Ticker ist ein Politiker" oder "der Musikkritiker" machten deutlich, mit welcher Vehemenz dieser seine kompromisslose Kritik an Gesellschaft und Politik ausübt. Ob es gelingen kann, diesen Meister an Sprache, Gestik und Mimik auf der Bühne zu ersetzen?
Doch Reinhard Michael Siegl, selbst Leiter des Knurps Puppentheaters und Regisseur des Freilichttheaters Jagsttalbühne in Möckmühl, weiß genau, wie man die knochentrockene, eher bühnenuntaugliche Art Kreislers in einen adäquaten Theatergesang auf der Bühne umsetzen muss, um nicht allzuviel des Wiener Esprits des ewigen Grantlers zu verschenken. Ob da nun der eine oder andere schräge Ton gewollt oder ungewollt war, bleibt dabei einzig das Geheimnis von "Fast Schwarz".



Zum Grande Finale durften natürlich "Der Überzieher" und "Tauben vergiften im Park" nicht fehlen, zwei Stücke die jeder im Saal kannte und den äußerst vergnüglichen Abend vollends applausreich abrundeten, bevor sich ein zufriedenes Publikum sinnierend auf den Heimweg machte, in Anlehnung an den Programmtitel: "Ick wund’re mir über gar nischt mehr"!

Text und Photos: Michael Pohl