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Horst Evers

am 08.11.2009 in der Alten Schule

"Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen" heißt das aktuelle Programm von Horst Evers, welches er zum Abschluss des Jahresprogramms der Kulturkommode in der ausverkauften Alten Schule in Osterburken präsentierte und er erläuterte gleich zu Beginn, dass er entsprechend dem Programmtitel zwar sportliche Themen aber eher alternative Trainingspläne anbieten würde. "Alternativ im Sinne von Gegenteil". Das sagt schon viel darüber aus, was man an einem Abend mit dem Wahl-Berliner über die Figur Horst Evers zu hören bekommt – einem notorisch phlegmatischen Menschen, der mittels ausgeklügelter Arbeitsvermeidungsstrategien und teilweise unglaublicher Einfälle versucht, den Komplikationen im Großstadtdschungel zu trotzen. Dass dabei längst nicht alles so läuft, wie er sich das vorstellt und zu den absurdesten Verwicklungen führt, ist nur für den Erzähler ärgerlich; für die Zuhörer sind diese "Lageberichte mitten aus dem Leben" in höchstem Maße amüsant.


Natürlich ist Evers nie selbst schuld an seinem Unglück. Schicksalsergeben zweifelt er nicht einmal an der Story des verspäteten Busfahrers von der Weltverschwörung, die allein zum Ziel hat, Horst Evers wo immer es geht das Leben schwer zu machen.
Dem Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises 2008 gelingt es vortrefflich, Alltagssituationen geistreich, liebevoll und jederzeit glaubwürdig eine Spur Skurrilität zu verleihen. Wer von uns hatte noch keine Schwierigkeiten mit Elektrogeräten? Was liegt also näher, als seinen Frust darüber an einem mehrfach wurffähigen Eierkocher auszulassen? Obwohl: auch der eigenwillige Drucker bewirbt sich jeden Tag aufs Neue als Wurfkandidat.



Bei Horst Evers ist jede Vorstellung anders. So variiert er beispielsweise seine freien Moderationen, die im besten Falle "so was von perfekt" auf die nächste gelesene Geschichte hinleiten, sodass nicht nur das Publikum sondern unübersehbar auch er selbst seinen Spaß am Programm hat. Es würde ihm auch nie einfallen, Geschichten aus alten Programmen vorzutragen – dafür hat er einfach zu viele neue im Gepäck. Und die handeln von vermeintlich gestohlenen Fahrrädern, Zahnarztbesuchen, Bestellungen beim Bäcker und Raucherzonen auf Bahnhöfen. Alles nur vordergründig normal, denn bei Horst Evers endet dies zur Freude der Zuhörer zwangsläufig in urkomischen Situationen. Mitunter tauchen Personen aus vorherigen Geschichten wieder auf und offene Handlungsstränge werden auf überraschende Weise aufgelöst.



Ohne platte Zoten, eher hintersinnig und mit viel Gefühl für Situationskomik und treffsichere Pointen erzählt und liest er Geschichten, mit denen er auch das Osterburkener Publikum von Anfang an für sich gewinnt.
Ein Abend mit Horst Evers ist beste Unterhaltung und eine Strapaze für die Lachmuskeln. "Und wer sich das nun alles so schnell nicht merken konnte", so Evers am Ende des stürmisch geforderten Zugabenteils, "kann sich die Geschichten gerne in meinen Büchern noch einmal nachlesen."



Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl