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Stephan Bauer

am 15.10.2004 in der Alten Schule

Dass Kabarett nicht politisch sein muss, um gut zu sein, bewies Stephan Bauer bei seinem Gastspiel in Osterburken. Die Zuschauer im ausverkauften Saal der Alten Schule konnten sich auf einen Künstler freuen, der sich mit spritziger Gesellschaftssatire in die erste Riege der deutschen Kabarettszene gespielt hat.

Stephan Bauer zu Gast bei der Kulturkommode

Beinahe möchte man den Mittdreißiger auf der Bühne bedauern, dessen erste Ehe gerade gescheitert ist und der nun verständlicherweise eine gewisse Leere spürt – "weil meine Frau alle Möbel mitgenommen hat". Aus diesem Szenario entsteht ein unterhaltsames Nummernkabarett, in dem Zeiterscheinungen gnadenlos seziert werden. Die beste Voraussetzung für eine Kabarettkarriere, so Bauer, sei eine schwere Kindheit. Und so erfuhr man von bedauernswerten Missverständnissen mit seinem Vater, den fatalen Folgen mangelnder Aufklärung und von der übertriebenen Fürsorglichkeit seiner Mutter ("die einzige Nutznießerin meiner Trennung"). Aus der jugendlichen Protestzeit in den 80ern bei der Jugendumweltbewegung "Laichfreunde e.V." und mit dem obligatorischen Palästinensertuch wurden bürgerliche Bequemlichkeit mit "Putzfrau aus dem Hochpreissegment" und verzweifelte Versuche, eine Partnerin bei der tantrischen Milzreflexzonenmassage kennen zu lernen.

Impressionen vom Auftritt

Urkomisch sind auch seine Geständnisse über Flirt-Chat-Lügen oder seine Erfahrungen mit Deutschlehrerinnen in Kontaktanzeigen, "die das nur machen, um die Zuschriften korrigiert wieder zurückschicken zu können". Dass nach seiner Trennung wieder "Hygienestandards aus der Studentenzeit" zurückkommen und sich erste selbständige Kochversuche auf Fertiggerichte beschränken, die auf dem Foto der Verpackung so ganz anders aussehen als auf dem Teller - das ist, "wie wenn man ein Date mit Jennifer Lopez hat, und plötzlich kommt Inge Meysel daher".

Wieder einmal: Ausverkauft!

Stephan Bauer hat es wahrlich nicht leicht im Leben! Aber er beherrscht die Kunst der gelungenen Assoziationen perfekt, und oft genügte alleine schon ein Blick oder ein Seufzer, um beim Publikum Wiedererkennungseffekte hervorzurufen. Aus alltäglichem Terror wie weiblichem Wohnungs-Dekorierzwang und männlicher Technikbesessenheit macht er auf diese Weise zwei Stunden entlarvendes Kabarett, von dem die begeisterten Zuhörer in Osterburken erst nach drei Zugaben genug bekommen konnten.

Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl